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FÜR MEHR MENSCHLICHKEIT
FÜR MEHR MENSCHLICHKEIT

Projekt „You’ll never walk alone“

Die Ausbeutung von Migranten in prekären Arbeitsverhältnissen

stoppen und ihre Arbeitnehmerrechte stärken.

 

Entstehung

1995 war ich bei einer Telemarketing Agentur in Toronto, Kanada, beschäftigt. Neun von zehn Arbeitskollegen waren Migranten. Arbeitsverhältnisse konnten von heute auf morgen beendet werden. Es gab keinen Kündigungsschutz. Keine soziale Absicherung, dafür ein erhöhtes Unsicherheitspotenzial. Zudem wurden Arbeitnehmer je nach Performance regelmäßig wieder nach Hause geschickt. Demzufolge fiel auch ihr Monatslohn verkürzt aus. Durch diese prekäre Abhängigkeit wurde ein extremer Leistungsdruck aufgebaut.

 

           Anerkennung durch eine der größten Arbeitnehmerverbände Kanadas, der CEP:

 

 

Projektumsetzung

Dieses Spiel mit ihrer Existenz war moralisch höchst verwerflich. Gegen diese ausbeuterischen Arbeitsbedingungen wollte ich unbedingt etwas zu unternehmen. Ich hatte nichts zu befürchten. Selbst bei einer Kündigung würde ich am nächsten Tag umgehend einen neuen Arbeitsplatz finden. Ich musste mir um mich deswegen keine Sorgen machen.

 

Bei der nächsten morgendlichen Besprechung mit dem Sales-Coach sprach ich offen im Beisein aller Mitarbeiter meinen Unmut aus:

“You can hire and fire us, but you can’t play with us.”

 

 

Am nächsten Tag wurde ich tatsächlich gefeuert. Damit hätte die Geschichte bereits enden können. Ich beließ es aber nicht dabei. Ich wollte meine Arbeitskollegen nicht im Stich lassen. Ich entschied mich, solange für ihre Arbeitnehmerrechte einzustehen bis eine Arbeitnehmervertretung übernimmt.

 

Projektumsetzung

Ich schloss mich mit einem der größten kanadischen Gewerkschaftsverbände kurz und ging vor Gericht. Die Kündigung wurde am 5.Mai für unwirksam erklärt. Wir hatten gewonnen. Der Arbeitgeber war jetzt gezwungen, mich weiter zu beschäftigen. Danach war es relativ einfach die Belegschaft zu überzeugen, denn sie hatten keine Angst mehr, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. In unzähligen Einzelgesprächen und Versammlungen begannen wir uns Schritt für Schritt zu organisieren und uns vorzubereiten. Ich blieb solange, bis den Arbeitnehmern eine Betriebsratswahl genehmigt wurde und schließlich die Gewerkschaft fortan die Legimitation erhielt, meine Arbeitskollegen offiziell zu vertreten.

 

Ergebnis

Am 20.06.1995 wurde kraft höchstrichterlicher Rechtsprechung eine gewerkschaftliche Arbeitnehmervertretung genehmigt. Es war damals eine der ersten nordamerikanischen Arbeitnehmervertretungen in diesem Gewerbe.

Am 10.Juni 1996 wurde der erste Tarifvertrag abgeschlossen. 

Er verbesserte ein Stück weit das Leben meiner Mitmenschen und ihrer Familien.

 

      Dankschreiben einer ehemaligen Arbeitskollegin

 

Der 1.Tarifvertrag - 17 Seiten

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© Joshua Raffael Sonnenschein